Zum Inhalt springen
FM-Connect Chat

Hallo! Ich bin Ihr FM-Connect Chat-Assistent. Wie kann ich Ihnen helfen?

FM-Solutionmaker: Gemeinsam Facility Management neu denken

Auslegung der Wärmerückgewinnung

Facility Management: Raumlufttechnische Anlagen » Anforderungen » Dimensionierung » Auslegung der Wärmerückgewinnung

Auslegung der Wärmerückgewinnung in Raumlufttechniksystemen zur Energieeffizienz

Design des Wärmerückgewinnungssystems für Raumlufttechnische Anlagen

Raumlufttechnische Anlagen (RLT-Anlagen) tauschen kontinuierlich verbrauchte Raumluft gegen Außenluft aus. Ohne eine Wärmerückgewinnung würde dabei wertvolle thermische Energie ungenutzt entweichen. Wärmerückgewinnungssysteme entziehen der Abluft Wärme und geben sie an die Zuluft ab, wodurch in der kalten Jahreszeit der Heizwärmebedarf deutlich sinkt und sich die Gesamtleistung des Lüftungssystems verbessert. Beim Anlagenentwurf müssen geeignete Technologien wie Plattenwärmetauscher oder Rotationswärmetauscher gewählt und zusätzliche Konzepte wie Bypassfunktionen für Freikühlung und Frostschutz berücksichtigt werden. Durch eine fachgerechte Dimensionierung und Systemintegration wird ein zuverlässiger Betrieb, ein optimierter Energieverbrauch und die Einhaltung moderner Energieeffizienzvorgaben sichergestellt.

Auslegung von Wärmerückgewinnung in RLT-Anlagen

Grundlagen der Wärmerückgewinnung in Lüftungsanlagen

Wärmerückgewinnungssysteme werden im Zentralgerät (RLT-Gerät/AHU) eingesetzt, um thermische Energie aus dem Abluftstrom auf den Außenluft-/Zuluftstrom zu übertragen, bevor die Zuluft über Heiz-/Kühlregister auf den Sollzustand konditioniert wird. Damit sinkt die notwendige Heiz- bzw. Kühlleistung der nachgeschalteten Komponenten und in der Regel auch der Jahresenergiebedarf der Anlage. In der Lüftungstechnik werden WRG-Systeme u. a. nach dem Wärmeübertragungsprinzip (rekuperativ vs. regenerativ) und nach dem Grad der Lufttrennung (keine Luftübertragung vs. potenzielle Übertragung durch Leckage/Carry-over) klassifiziert. Diese Unterscheidung ist aus Betreiber- und Hygiene-Perspektive wesentlich, weil sie festlegt, ob und wie Gerüche, Feuchte oder Partikel prinzipbedingt zwischen Abluft und Zuluft übertragen werden können.

Die folgende Übersicht zeigt typische WRG-Technologien, wie sie in RLT-Anlagen eingesetzt werden:

Art der Wärmerückgewinnung

Wärmeübertragungsmechanismus

Typische Anwendung

Kerneigenschaften

Plattenwärmeübertrager

Fühlbare Wärmeübertragung über stationäre Platten (rekuperativ)

Büros, Krankenhäuser, Labore

Strikte Lufttrennung im Wärmetauscher, hohe Hygiene-Eignung, potenzielle Vereisungsneigung bei hoher Effizienz

Rotationswärmeübertrager (Wärmerad)

Fühlbare und – je nach Ausführung – latente Wärmeübertragung über rotierende Speichermasse (regenerativ)

Gewerbeimmobilien, Einkaufszentren, große Bürokomplexe

Hohe Effizienz, kompakt, Feuchterückgewinnung möglich, Leckage-/Carry-over-Risiko zu bewerten

Umlaufverbundsystem (Run-around-Coils)

Wärmeübertragung über Zwischenkreis (z. B. Wasser/Glykol)

Anlagen mit getrennten Luftwegen/standortgetrennten Geräten

Keine Luftübertragung zwischen Zu-/Abluft, flexible Aufstellung, i. d. R. geringere Systemeffizienz wegen Pumpenleistung

Die Praxis im zentralen RLT-Gerätebau zeigt: Rotationswärmeübertrager und Plattenwärmeübertrager sind die dominierenden Lösungen, weil sie (bei korrekter Einbindung) kompakt, leistungsfähig und regelungstechnisch gut beherrschbar sind. Umlaufverbundsysteme werden bevorzugt, wenn Zu- und Abluft räumlich getrennt sind oder wenn hygienisch jede potenzielle Luftübertragung ausgeschlossen werden muss.

Wirkungsgrad von Plattenwärmeübertragern: Zielwerte für sensible Wärmerückgewinnung

Plattenwärmeübertrager (rekuperative WRG) bestehen aus dünnen, üblicherweise metallischen oder polymeren Platten, die Zu- und Abluftkanäle voneinander trennen. Wärme wird durch Wärmeleitung über die Platten übertragen, während die beiden Luftströme konstruktiv voneinander getrennt bleiben. Genau diese Trennung ist der zentrale hygienische Vorteil, weil keine rotierende Speichermasse und kein prinzipbedingter Carry-over vorliegt.

Wirkungsgradkennzahl und Mess-/Angabepraxis

In der WRG-Auslegung wird der sensible Leistungsgrad häufig als Temperaturwirkungsgrad (ηt) bzw. „dry temperature ratio“ angegeben. Dabei ist entscheidend, dass der Wirkungsgrad normgerecht und vergleichbar beschrieben wird (insbesondere ohne „Fan Heat“-Verzerrung, sofern nicht explizit anders dokumentiert).

In der WRG-Auslegung wird der sensible Leistungsgrad häufig als Temperaturwirkungsgrad (ηt) bzw. „dry temperature ratio“ angegeben. Dabei ist entscheidend, dass der Wirkungsgrad normgerecht und vergleichbar beschrieben wird (insbesondere ohne „Fan Heat“-Verzerrung, sofern nicht explizit anders dokumentiert).

Ein verbreitetes, praxisnahes Definitionsschema (Zuluftseite) beschreibt den Temperaturwirkungsgrad als Verhältnis der tatsächlich erreichten Zuluft-Erwärmung zur maximal möglichen Erwärmung, z. B.:

t=t22-t21t11-t21

wobei die Indizes gemäß Geräte-/Wärmetauscherdefinition den relevanten Ein- und Austrittstemperaturen von Abluft und Zuluft entsprechen.

Typische Zielbereiche

Die erreichbare Temperaturwirksamkeit hängt stark von Bauart, Bautiefe, Strömungsführung und Auslegungspunkt ab. Für die Facility-Management-Spezifikation ist es sinnvoll, Zielwerte als Bandbreiten zu formulieren und gleichzeitig Druckverlust- und Frostschutzanforderungen mitzudefinieren. Ein industriell anerkannter Bezugspunkt ist zudem, dass für viele Marktanforderungen im europäischen Kontext Mindestwerte für die trockene Temperaturwirksamkeit relevant sind.

Konfiguration Plattenwärmeübertrager

Typischer Temperaturwirkungsgrad

Typischer Einsatzfall

Kreuzstrom-Plattenwärmeübertrager

ca. 50–70 % (teils 60–75 % als typische Praxisbandbreite)

Standard-RLT, größere Geräte mit platz- und kostenoptimierter WRG

Gegenstrom-Plattenwärmeübertrager

ca. 70–90 %

Hoch-effiziente RLT, energieoptimierte Gebäude

Hochleistungs-/Mehrpass-Anordnung

bis ca. 85–90 % (auslegungsabhängig)

Niedrigenergie-/hoch-effiziente Konzepte mit strikter WRG-Fokussierung

Gegenstromausführungen erreichen höhere Wirkungsgrade, weil sich die mittlere Temperaturdifferenz entlang des Wärmetauschers günstiger ausprägt und längere „Wärmeübertragungswege“ realisiert werden können.

Für die Betreiberpraxis ist außerdem relevant

Bei sehr großen Luftmengen werden häufig Kreuzstromlösungen eingesetzt, weil Gegenstrommodule größenbedingt begrenzt sind; die Effizienz kann dann durch Serienschaltung von Plattenmodulen signifikant erhöht werden.

Auslegungsparameter, die den Wirkungsgrad und die Betriebskosten bestimmen

Plattenwärmeübertrager sind aus FM-Sicht immer als „Gesamtpaket“ zu bewerten: Wirkungsgrad plus Druckverlust plus Frost-/Kondensatmanagement plus Reinigbarkeit.

Die wichtigsten technischen Stellgrößen sind:

Auslegungsparameter

Einfluss auf die Systemleistung

Wärmeübertragungsfläche (Plattenfläche, Bautiefe)

Größere Fläche erhöht WRG, kann aber Bauraum und Kosten steigern

Anström-/Kanalgschwindigkeit

Höhere Geschwindigkeit reduziert i. d. R. die Wirksamkeit und erhöht Druckverlust; niedrigere Geschwindigkeit begünstigt WRG, erfordert meist größere Querschnitte 

Plattenabstand / Kanalgeometrie

Engere Kanäle verbessern Wärmeübergang, erhöhen jedoch Druckverlust und sind vereisungsanfälliger (Wartungs-/Betriebsrisiko) 

Material / Wärmeleitfähigkeit

Metallische Platten (z. B. Aluminium) unterstützen hohe Wärmeleitung; Materialwahl ist zugleich Hygiene- und Korrosionsfrage (Reinigungschemie, Kondensat) 

Luftmengenbilanz (Zu-/Abluft)

Eine ausgeglichene Luftmengenführung verbessert die WRG-Leistung und reduziert Regelungs- und Komfortprobleme; Unwuchten verschieben auch Frostgrenzen

Betriebspunkte, Kondensat und Frostschutz: praktische Betreiberanforderungen

Im Winterbetrieb kondensiert Wasserdampf aus der Abluft auf kalten Wärmetauscherflächen. Für den hygienisch sicheren Betrieb sind deshalb eine konstruktiv sichere Kondensatabführung (selbstentleerende, korrosionsbeständige Auffangwanne, geeignete Ableitung) und ein dokumentiertes Wartungskonzept erforderlich, um stehendes Wasser und Biofilmbildung zu vermeiden.

Mit steigender WRG-Effizienz sinkt die mittlere Plattentemperatur bei kalter Außenluft schneller in den Frostbereich. In der Praxis kann Vereisung (je nach Luftfeuchte, Ablufttemperatur und Luftmengenbilanz) bereits bei wenigen Minusgraden beginnen; daraus folgen Druckverlustanstieg, Luftmengenverschiebung und im Extremfall Bauteilschäden.

Für Gebäude mit strikten Trennanforderungen (Gesundheitswesen, Labor, Lebensmittelverarbeitung) sind Plattenwärmeübertrager häufig die bevorzugte WRG-Lösung, weil sie im Vergleich zu rotierenden Systemen deutlich geringere potenzielle Luftübertragungen zeigen und damit hygienisch einfacher zu verantworten sind.

Auslegung von Rotationswärmeübertragern: Leistungsabgleich für Wärme- und Feuchteübertragung

Rotationswärmeübertrager (Wärmeräder) besitzen eine rotierende Matrix (Speichermasse), die abwechselnd von Abluft und Außenluft/Zuluft durchströmt wird. Dabei wird Wärme in der Abluftzone aufgenommen und in der Zuluftzone wieder abgegeben. Je nach Matrizausführung (z. B. Kondensations- vs. Sorptions-/Adsorptionsrotor) kann neben fühlbarer Wärme auch latente Energie übertragen werden, sodass eine Feuchterückgewinnung möglich ist.

Für die FM-orientierte Spezifikation ist es hilfreich, die wichtigsten Kennzahlen als „Abgleichgrößen“ zwischen Planung, Beschaffung und Betrieb festzulegen:

Parameter

Typischer Wertebereich

Bedeutung für die Auslegung

Temperaturwirkungsgrad

typ. bis ca. 85 %

Bestimmt Heizenergieeinsparung und Zulufttemperaturstabilität

Feuchte-/Humidity-Effizienz

auslegungs- und rotortypabhängig (Sorption i. d. R. höher als Kondensation)

Reduziert Befeuchtungs-/Entfeuchtungsbedarf und beeinflusst Frostverhalten

Rotordrehzahl

häufig im HVAC-Einsatz im Bereich ca. 5–20 rpm (typische Optima abhängig vom System)

Wirkt auf Wärme-/Feuchteübertrag, Carry-over und Regelbarkeit

Druckverlust

häufig grob im Bereich ~80–230 Pa als praxisnahe Empfehlungsspanne

Treiber für SFP/Fan Power und damit Betriebskosten

Aus Hersteller- und Auslegersicht ist zusätzlich die Anströmgeschwindigkeit auf die Matrix relevant: In typischen Lüftungsanwendungen werden oft ca. 1–3 m/s als praxisgerechter Bereich genannt, weil zu hohe Geschwindigkeiten Druckverlust und Ungleichverteilungen verschärfen können.

Dimensionierung: was in der Praxis wirklich „passt“

Rotationswärmeübertrager müssen so ausgewählt werden, dass sie sowohl die erforderliche Luftmenge als auch die thermische Aufgabe erfüllen – ohne dabei hygienische oder energetische Nebenwirkungen zu erzeugen.

Entscheidend ist die Passung folgender Größen:

Auslegungsfaktor

Auswirkung auf das Systemdesign

Rotordurchmesser

Bestimmt die mögliche Luftmenge (Querschnitt) und beeinflusst Druckverlust

Matrix-/Speichertiefe

Erhöht Übertragungsfläche/-masse und damit Wirkungsgrad; kann Druckverlust steigern

Luftgeschwindigkeit / Gleichförmigkeit

Beeinflusst Effektivität und Ventilatorleistung; Ungleichströmungen verschlechtern reale Performance 

Purge-Sektor (Spülsektor)

Reduziert Carry-over (Mitnahme) und damit Kontaminations-/Geruchsübertragung

Der Purge-Sektor ist aus Betreiberperspektive oft ein unverhandelbares Detail, sobald auch nur moderate Anforderungen an Geruchs- oder Stofftrennung bestehen. Bei korrekt eingestellter Abdichtung, geeigneter Druckdifferenz und ausgeglichener Luftmasse kann der interne Carry-over in günstigen Fällen auf wenige Prozent begrenzt werden; ohne geeignete Maßnahmen kann die Übertragung deutlich höher ausfallen und ist dann nicht mehr „wegzuregeln“, sondern konstruktionsbedingt.

Auch die Drehzahlregelung ist mehr als Komfort

Sie ist ein Baustein zur Leistungsregelung (z. B. Sommerbetrieb), zur Minimierung von Carry-over und als Teil eines Frostschutzkonzepts. Gleichzeitig sinkt bei reduzierter Drehzahl die Übertragungsleistung – dieser Zielkonflikt muss im Regelungskonzept explizit berücksichtigt werden.

Geeignete Gebäudetypen und Grenzen aus hygienischer Sicht

Rotationswärmeübertrager sind besonders attraktiv in großen Luftmengenanwendungen (z. B. große Gewerbe- und Bürogebäude, Verkehrsbauten), weil sie sehr kompakt sind und zusätzlich Feuchte rückgewinnen können, was den Befeuchtungsbedarf im Winter und – bei geeigneten Klimabedingungen – auch die Entfeuchtungslasten beeinflussen kann.

Gleichzeitig gilt aus professioneller Betreiberverantwortung

Rotationswärmeübertrager sind aufgrund höherer potenzieller Luftübertragung (Leckage/Carry-over, EATR/OACF-Thematik) nicht erste Wahl für Anwendungen, in denen jegliche Luftrezirkulation unzulässig ist oder höchste hygienische Trennung gefordert wird. In solchen Fällen sind Plattenwärmeübertrager oder Zwischenkreis-Systeme häufig besser zu vertreten.

Bypass-Konzept: Freie Kühlung und Frostschutzführung

Ein Bypass-System ist eine zentrale Betriebsfunktion im RLT-Gerät, die es erlaubt, den WRG-Prozess gezielt zu umgehen oder zu reduzieren, wenn keine Wärmerückgewinnung gewünscht oder zulässig ist. Im europäischen Marktkontext wird ein „thermal by-pass facility“ nicht nur als physischer Luft-Bypass verstanden, sondern als jede Lösung, die den Wärmetauscher umgeht oder seine Rückgewinnungsleistung automatisch/manuell regelt (z. B. Sommer-Bypass, Rotordrehzahlregelung, Luftmengensteuerung).

Freie Kühlung: WRG gezielt vermeiden, wenn Außenluft „hilft“

Für die betrieblich effiziente Kühlung (insbesondere in Übergangszeiten und nachts) soll die Anlage Außenluft nutzen, wenn deren Temperatur bzw. Enthalpie günstiger ist als die Raum-/Abluft. In diesem Fall würde eine aktive WRG die kühle Außenluft „unnötig“ erwärmen; daher wird die WRG über Bypass bzw. Leistungsabregelung umgangen. Dieses Prinzip ist eng mit dem regulatorischen Ziel verknüpft, im Sommer Überhitzung durch WRG zu vermeiden, wofür ein thermischer Bypass als konzeptionelle Anforderung etabliert ist.

Betriebsbedingung

Systemreaktion

Außenluft kühler als Zuluft-Sollwert (oder günstigerer Enthalpiezustand)

Bypass-/Abregelung aktiviert

Kühllast vorhanden (z. B. Nachtkühlung/Übergangszeit)

Freie Kühlung wird freigegeben

WRG nicht erforderlich bzw. kontraproduktiv

Wärmetauscher wird umgangen bzw. Rotordrehzahl reduziert

Frostschutzführung: Schäden verhindern und Luftmengen stabil halten

Bei niedrigen Außenlufttemperaturen kann kondensierendes Wasser im Wärmetauscher einfrieren. Vereisung reduziert nicht nur die Rückgewinnungsleistung, sondern erhöht den Druckverlust, verschiebt die Luftmengenbilanz und kann im Extremfall den Wärmetauscher beschädigen. Ein Frostschutzsystem muss deshalb Vereisungsbeginn erkennen, Vereisung verhindern bzw. Eis kontrolliert abbauen und dabei den Energieeinsatz minimieren.

Typische Frostschutzstrategien – die in FM-Spezifikationen als funktionale Anforderungen (nicht nur als „Optionen“) formuliert werden sollten – sind:

Frostschutzmethode

Beschreibung

Bypass-/Leistungsabregelung

Reduziert die Kälteeinwirkung auf den Tauscher (Platte: Bypassklappen; Rotor: Drehzahlregelung) 

Außenluft-Vorerwärmung

Erhöht Außenlufttemperatur vor dem Tauscher (Schutz auf Kosten von Heizenergie; sinnvoll, wenn Frost sehr häufig) 

Luftmengenreduktion/temporäre Unwucht

Senkt das Vereisungsrisiko, kann aber Raumdruckhaltung und IAQ beeinflussen; daher nur kontrolliert und zeitlich begrenzt

Intermittierender Abtau-Betrieb

Kurze Unterbrechungen (z. B. Stop Außenluft) zum Abtauen; muss im Betrieb dokumentiert und bewertet werden (Komfort, Druckhaltung) 

Regelungseinbindung: Anforderungen an Sensorik, Logiken und Nachweisbarkeit

Der thermische Bypass und der Frostschutz gehören in ein nachvollziehbares Regelungskonzept (Sequenzen, Grenzwerte, Hysterese, Mindestlaufzeiten). In professionellen Anlagen wird dies in der Gebäudeautomation abgebildet, typischerweise basierend auf Temperatur-/Feuchtesensoren, Differenzdrucküberwachung (Druckverlustanstieg als Vereisungsindikator) und Stellgrößen wie Bypassklappenstellung bzw. Rotordrehzahl. Für wirksamen Frostschutz wird zudem explizit gefordert, dass Rotationswärmeübertrager drehzahlvariabel sind und Plattenwärmeübertrager gekoppelte Modulationsklappen an Tauscher- und Bypassöffnungen besitzen.

Systemintegration und energieeffizienzbezogene Aspekte

Die WRG-Auslegung kann nicht isoliert betrachtet werden: Sie beeinflusst Ventilatoren, Filterstufen, Heiz-/Kühlregister, Schalldämpfung, Gerätegeometrie und die gesamte Regelungsstrategie. Eine gute WRG erreicht in der Praxis nur dann eine positive Energiebilanz, wenn die zusätzliche Ventilatorarbeit durch Druckverluste nicht die thermischen Einsparungen „auffrisst“. Genau hier setzt die Bewertung mit Kennzahlen wie Spezifischer Ventilatorleistung (SFP) und – im europäischen Kontext – WRG-/Temperaturwirkungsgrad an.

Wichtige Integrationskriterien:

Kriterium

Wirkung im Betrieb

Druckverlust über den Wärmetauscher

Erhöht Ventilatorleistung und damit SFP; beeinflusst direkt Betriebskosten

Luftmengenbilanz Zu-/Abluft

Stabilisiert WRG-Leistung, Frostgrenzen und Gebäudedruckhaltung

Wartungs- und Reinigungszugänglichkeit

Voraussetzung zur Erhaltung der Effizienz (Verschmutzung = Wirkungsgradverlust + Druckverlustanstieg) und zur Hygienesicherheit

Hygiene-Compliance

Minimiert mikrobielles Risiko (Kondensatmanagement), begrenzt Stoff-/Geruchsübertragung (Rotor vs. Platte), reduziert Leckagepfade

Regelungsstrategie jahreszeitlich

Sicherstellt, dass WRG, Bypass, Frostschutz und Komfortziele nicht gegeneinander arbeiten (Nachweis über Trends/Protokolle) 

SFP als Betreiberkennzahl: Zusammenhang mit WRG-Druckverlusten

SFP ist eine standardisierte Maßzahl dafür, wie viel elektrische Leistung erforderlich ist, um eine bestimmte Luftmenge durch das reale System zu bewegen. Sie wird in verschiedenen Einheiten angegeben (z. B. W/(m³/s) oder W/(l/s)) und dient als Planungs- und Abnahmekriterium, weil sie neben dem Ventilator auch Systemwiderstände (Filter, WRG, Register, Kanäle, Ein-/Ausströmverluste) „sichtbar“ macht.

Leckagen und reale WRG-Performance: warum FM-Abnahme nicht bei „ηt am Datenblatt“ endet

In der realen Anlage können interne Leckagen (z. B. durch Einbau-/Dichtungsfehler) die WRG-Performance und die Luftqualität beeinträchtigen. Relevante Bewertungsgrößen wie OACF und EATR werden deshalb zunehmend in Prüf- und Zertifizierungslogiken berücksichtigt; aus FM-Sicht ist dies ein Argument, bei der Geräteabnahme nicht nur „Effizienzwerte“, sondern auch Dichtheit, Fan-Layout und dokumentierte Inbetriebnahmeparameter zu prüfen.

Hygienische Betriebsführung als Teil der WRG-Strategie

Wärmerückgewinnung ist hygienisch nur dann nachhaltig, wenn Kondensat sicher abgeführt wird, Oberflächen reinigbar sind und Wartungsprozesse dokumentiert sind. Anforderungen aus dem deutschsprachigen Raum (z. B. hygienische Gestaltung nach dem Regelwerk des Verein Deutscher Ingenieure) betonen u. a. die Vermeidung mikrobieller Kontamination, die klare Verantwortungszuordnung zwischen Hersteller/Planer/Betreiber und konstruktive Merkmale wie selbstentleerende Kondensatwannen. Aus Facility-Management-Perspektive resultiert daraus eine klare Betriebsanforderung: WRG-Design, Regelung und Instandhaltungsstrategie müssen als integriertes System spezifiziert, abgenommen und über den Lebenszyklus überwacht werden – nur dann werden die energetischen Vorteile bei gleichzeitigem Hygiene- und Komfortschutz dauerhaft erreicht.