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Druck- und Ventilatorauslegung

Facility Management: Raumlufttechnische Anlagen » Anforderungen » Dimensionierung » Druck- und Ventilatorauslegung

Druck- und Ventilatorauslegung bei der Dimensionierung von Raumlufttechnik-Anlagen

Druck- und Ventilatordesign in Raumlufttechnischen Anlagen

Ventilatoren übernehmen in RLT-Anlagen die Aufgabe, Luftvolumenströme durch das gesamte Lüftungssystem zu fördern und dabei alle aerodynamischen Widerstände in Lüftungsgerät, Kanalnetz und Verteilkomponenten zu überwinden. Ein sorgfältiges Druck- und Ventilatordesign stellt sicher, dass die erforderlichen Luftvolumenströme erreicht werden und gleichzeitig ein energieeffizienter Betrieb gewährleistet ist. Bei der Planung müssen Ingenieure insbesondere den äußeren statischen Druck des Kanalsystems ermitteln, die Druckzunahme durch Filterverschmutzung berücksichtigen, Druckverluste in Wärmerückgewinnungsgeräten einplanen und den spezifischen Ventilatorleistungsbedarf (SFP) als wichtigen Indikator für die Energieeffizienz des Systems bewerten.

Druck- und Ventilatorauslegung in RLT-Anlagen

Grundlagen des Druck- und Ventilatordesigns in RLT-Anlagen

Die Leistungsfähigkeit einer RLT-Anlage hängt vom Zusammenspiel zwischen Luftvolumenstrom und den Druckverlusten im System ab. Ventilatoren müssen ausreichend statischen Druck erzeugen, um alle entlang des Luftstrompfades auftretenden Druckverluste auszugleichen. Diese Widerstände entstehen durch Reibung in Kanälen, Strömungsturbulenzen in Formstücken sowie durch die internen Komponenten des Lüftungsgeräts.

In RLT-Anlagen lassen sich die Druckverluste nach ihrem Entstehungsort im Lüftungssystem gliedern:

Systemkomponente

Funktion im Lüftungssystem

Typischer Einfluss auf den Druck

Rohrleitungssystem (Kanäle)

Beförderung von Zuluft und Abluft durch das Gebäude

Reibungsverluste abhängig von Länge und Strömungsgeschwindigkeit

RLT-Gerätekomponenten

Filter, Wärmetauscher, Klappen, Heiz-/Kühlregister

Interner Druckverlust im Gerät

Luftverteilkomponenten

Diffusoren, Gitter, Zuluftauslässe

Lokale Druckabfälle

Regelkomponenten

Volumenstromklappen, Brandschutzklappen

Variable Widerstände je nach Klappenstellung

Zuluft- und Abluftöffnungen

Außenlufteintritt und Fortluftauslass

Zusätzlicher aerodynamischer Widerstand

Ziel der Auslegung ist es, einen zuverlässigen Luftstrom sicherzustellen und dabei unnötige Druckverluste zu minimieren, da diese direkt den Energieverbrauch des Ventilators beeinflussen.

Berechnung des externen statischen Drucks

Der äußere statische Druck bezeichnet die Summe aller Druckverluste im Lüftungssystem, die außerhalb des Ventilatorengehäuses überwunden werden müssen. Er ist ein entscheidender Parameter zur Bestimmung des richtigen Betriebspunktes des Ventilators.

Komponenten, die zum externen statischen Druck beitragen

Der äußere statische Druck ergibt sich aus den addierten Druckverlusten des Kanalnetzes und seiner Komponenten entlang des kritischsten Luftstrompfades.

Zu den relevanten Druckverlustquellen zählen:

Druckverlustquelle

Beschreibung

Planungsaspekt

Gerade Kanalabschnitte

Reibungsverluste an den Kanalwänden

Abhängig von Länge, Durchmesser und Strömungsgeschwindigkeit

Formstücke (Bögen, T-Stücke)

Druckverluste durch Verwirbelung an Kanalelementen

Ermittlung über Widerstandsbeiwerte (K-Faktoren)

Volumenstromklappen

Luftstromregelung durch verstellbare Klappen

Druckverlust variiert mit der Klappenstellung

Schalldämpfer

Geräuschdämmungselemente im Kanal

Verursachen oft beträchtliche Druckverluste

Luftauslässe (Diffusoren, Gitter)

Raumseitige Verteilkomponenten

Druckabfall gemäß Herstellerangaben

Die Berechnung des externen statischen Drucks folgt einem systematischen Vorgehen:

Schritt

Beschreibung

Ermittlung des Auslegungsvolumenstroms

Festlegung nach Lüftungsanforderungen und Raumnutzung

Dimensionierung des Kanalnetzes

Auswahl geeigneter Kanalquerschnitte und Strömungsgeschwindigkeiten

Berechnung der Kanallängsverluste

Ermittlung der Reibungsverluste mithilfe von Reibungszahl-Tabellen oder Berechnungssoftware

Hinzurechnung lokaler Verluste

Berücksichtigung von Verlusten durch Formstücke, Klappen und Luftauslässe

Bestimmung des kritischsten Pfads

Auswahl des Luftstrompfades mit dem höchsten Widerstand

Die Summe dieser Druckverluste definiert den minimal benötigten Ventilatordruck für den Systembetrieb.

Planung von Sicherheitszuschlägen

Zur Gewährleistung eines zuverlässigen Betriebs wird üblicherweise ein Sicherheitszuschlag auf den berechneten Druckverlust aufgeschlagen. Diese Druckreserve liegt typischerweise im Bereich von 5 % bis 15 % der kalkulierten Verluste und berücksichtigt Unsicherheiten sowie mögliche Änderungen im Betrieb.

Filterdruckreserve

Luftfilter sind für die Raumluftqualität unverzichtbar, erzeugen aber einen variablen Druckwiderstand, der mit zunehmender Verschmutzung des Filters ansteigt. Dieser Vorgang muss bei der Ventilatorenauslegung berücksichtigt werden.

Typischerweise ergeben sich die folgenden Zustände:

Filterzustand

Druckabfall (Δp)

Bedeutung

Reinluftzustand (frisch)

Geringer Widerstand

Unmittelbar nach dem Einbau

Betriebszustand (mittlere Verschmutzung)

Mäßig erhöhter Widerstand

Typischer Betriebsfall

Endzustand (stark verschmutzt)

Maximal zulässiger Widerstand

Zeigt an, dass Filter gewechselt werden sollte

Die typischen Druckabfallwerte für gebräuchliche Filterarten sind:

Filtertyp

Anfangsdruckverlust (Pa)

Enddruckverlust (Pa)

Grobfilter (z.B. G3/G4)

40–80

150–250

Feinfilter (z.B. F7)

80–150

250–450

Planung der Druckreserve

Um den erforderlichen Volumenstrom über die gesamte Filterlebensdauer aufrechtzuerhalten, muss der Ventilator die steigenden Druckverluste ausgleichen können.

Wichtige Planungsaspekte sind:

Planungsaspekt

Erläuterung

Wahl des Betriebspunktes

Ventilator auf mittlere Filterverschmutzung auslegen

Berücksichtigung der Druckreserve

Sicherstellung eines konstanten Luftstroms bei zunehmendem Filterwiderstand

Überwachung

Differenzdruckmessung signalisiert Filterwechselbedarf

Eine adäquate Auslegung der Filterdruckreserve verhindert übermäßigen Energieverbrauch des Ventilators und instabile Luftströmungsbedingungen im Betrieb.

Druckverlust in Wärmerückgewinnungssystemen

Wärmerückgewinnungssysteme steigern die Energieeffizienz von Lüftungsanlagen, indem sie Wärme zwischen Fortluft und Zuluft übertragen. Allerdings führen diese Systeme zu zusätzlichen aerodynamischen Widerständen im Luftstrom.

Je nach Bauart fallen unterschiedliche Druckverluste an:

Wärmerückgewinnungssystem

Typischer Druckverlust (Pa)

Charakteristika

Plattenwärmetauscher

100–250

Hohe Rückwärmleistung bei relativ hohem Widerstand

Rotationswärmetauscher

80–200

Ausgewogenes Verhältnis von Rückwärmleistung und Druckverlust

Rohrregister-Umlaufschlauchsystem

150–300

Indirekter Wärmetransport über Pumpenkreis

Wärmerohr-Wärmetauscher

80–200

Passives System ohne bewegte Teile

Entscheidende Einflussfaktoren sind:

Planungsfaktor

Einfluss auf den Druckverlust

Wärmetauscherfläche

Größere Fläche verringert Strömungsgeschwindigkeit und senkt so den Druckverlust

Luftgeschwindigkeit im Wärmetauscher

Höhere Geschwindigkeit erhöht den Druckverlust

Bypassklappen

Führen bei Aktivierung zu zusätzlichem Widerstand

Frostschutzfunktionen

Verändern Strömungsbedingungen (z.B. durch Vorheizung)

Die Auswahl eines geeigneten Wärmerückgewinnungssystems muss daher ein ausgewogenes Verhältnis zwischen thermischer Effizienz und aerodynamischem Widerstand sicherstellen.

Spezifische Ventilatorleistung (SFP) Zielwert

Die spezifische Ventilatorleistung (SFP) ist ein wichtiger Indikator für die Energieeffizienz von Lüftungsanlagen.

Die SFP gibt das Verhältnis der elektrischen Leistungsaufnahme des Ventilators zum geförderten Luftvolumenstrom an:

Parameter

Beschreibung

Ventilatorleistung (elektrisch)

Leistungsbedarf des Ventilatormotors

Luftvolumenstrom

Geförderte Luftmenge pro Zeiteinheit

Spezifische Ventilatorleistung (SFP)

Leistung pro Einheitsvolumenstrom

Einheit

kW/(m³/s). Je niedriger der SFP-Wert, desto energieeffizienter arbeitet die Lüftungsanlage.

Je nach Gebäudekategorie werden folgende Richtwerte für die SFP empfohlen:

Gebäudetyp

Typischer SFP-Bereich (kW/(m³/s))

Hoch energieeffiziente Gebäude

1,0 – 1,5

Standardgebäude (Gewerbe, Büro)

1,5 – 2,5

Ältere Lüftungsanlagen

bis 3,0

Die Erreichung möglichst niedriger SFP-Werte ist ein wesentliches Ziel moderner Anlagenauslegung.

Folgende Maßnahmen tragen zur Reduzierung des Ventilatorenergieverbrauchs bei:

Maßnahme

Auswirkung auf die Systemeffizienz

Optimierte Kanalauslegung

Reduktion der Strömungsgeschwindigkeit und der Reibungsverluste

Hochwirksame EC-Ventilatoren

Geringerer elektrischer Energiebedarf

Niedrigdruckfilter

Reduzierter Druckverlust durch Filter

Effiziente Wärmerückgewinnungssysteme

Verringerung des Gesamtwiderstands

Drehzahlregelung

Anpassung an Teillastbetrieb reduziert Energieverbrauch

Integrierte Ventilatorenauswahl und Systemoptimierung

Die endgültige Auswahl des Ventilators muss sowohl den geforderten Luftvolumenstrom als auch den gesamten Systemdruckverlust abdecken und dabei einen energieeffizienten Betrieb sicherstellen.

Wichtige Auslegungsschritte sind:

Auslegungsschritt

Beschreibung

Festlegung des Volumenstroms

Bestimmung nach den Lüftungsanforderungen

Berechnung des Gesamtdruckverlusts

Ermittlung der Summe aller Druckverluste

Definition des Betriebspunktes

Schnittpunkt von Volumenstrom- und Druckkennlinie

Ventilatortypwahl

Axial- oder Radialventilator je nach Einbausituation

Effizienzprüfung (SFP-Check)

Überprüfung der Einhaltung der SFP-Zielwerte

Regelstrategie

Einbindung einer Drehzahlregelung für Teillastbetrieb

Ventilatoren sollten idealerweise nahe ihrem optimalen Wirkungsgradpunkt betrieben werden, um Energieverbrauch und Geräuschentwicklung zu minimieren.

Anspruch

Eine effektive Druck- und Ventilatordimensionierung ist entscheidend für den zuverlässigen und energieeffizienten Betrieb von RLT-Anlagen. Durch exakte Berechnung des externen statischen Drucks, entsprechende Filterdruckreserven und die Berücksichtigung der Druckverluste in der Wärmerückgewinnung lässt sich sicherstellen, dass die Ventilatoren den erforderlichen Luftstrom unter allen Betriebsbedingungen liefern können. Die Einhaltung von Zielwerten für die spezifische Ventilatorleistung (SFP) unterstützt dabei eine nachhaltige Energieeffizienz. Durch gezielte Optimierung von Systemkomponenten, Luftführung und Ventilatorenauswahl können Lüftungsanlagen sowohl eine hohe Luftqualität als auch einen langfristig kosteneffizienten Betrieb erreichen.