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Thermische Leistungsintegration

Facility Management: Raumlufttechnische Anlagen » Anforderungen » Dimensionierung » Thermische Leistungsintegration

Thermische Leistungsintegration bei der Dimensionierung von Raumlufttechnik-Anlagen

Thermische Leistungsintegration in RLT-Anlagen (Raumlufttechnische Anlagen)

Die thermische Leistungsintegration ist ein wesentlicher Bestandteil der Planung raumlufttechnischer Anlagen (RLT-Anlagen). In einer RLT-Zentrale (Air Handling Unit, AHU) sorgen Heiz- und Kühlregister dafür, dass die Zuluft ganzjährig die gewünschten Temperatur- und Feuchtewerte aufweist. Im Winter wird kalte Außenluft erwärmt, um Zugerscheinungen zu vermeiden; im Sommer wird die Luft gekühlt, um anfallende Wärme abzuführen. Zusätzlich müssen interne Wärmeeinträge durch Personen, Beleuchtung, Bürogeräte und solare Einstrahlung ausgeglichen werden. Eine korrekte Dimensionierung der Heizleistung, Kühlleistung, Entfeuchtungskapazität und Frostschutzreserve stellt stabile Raumklimabedingungen sicher, ermöglicht einen zuverlässigen Anlagenbetrieb und sorgt für einen energieeffizienten Betrieb – im Einklang mit Normen wie DIN EN 16798, DIN 1946 und VDI 3803.

Thermische Leistungsintegration in RLT-Anlagen

Thermische Konditionierungsanforderungen in RLT-Systemen

Die angesaugte Außenluft muss vor der Zuführung in die Aufenthaltsräume thermisch aufbereitet werden. In der Luftaufbereitungsanlage (AHU) passen Heizregister, Kühlregister und Befeuchter/Entfeuchter die Lufttemperatur und -feuchte an, um die gewünschten Komfortbedingungen zu erreichen. Dabei sind sowohl die äußeren Klimabedingungen als auch die internen Lasten zu berücksichtigen: Im Winter muss kalte Außenluft erwärmt werden, im Sommer muss warme Außenluft gekühlt werden. Gleichzeitig gelangen interne Wärmelasten – durch Personen, Beleuchtung, Bürogeräte und Sonneneinstrahlung – in das Gebäude. Ziel der thermischen Aufbereitung ist es, die Zuluft mit geregelter Temperatur und Feuchte zuzuführen, sodass das Raumklima stabil bleibt, ohne Zugerscheinungen oder überhöhte Luftfeuchte zu erzeugen.

Thermische Behandlungsstufe

Funktion im Lüftungsprozess

Typischer Betriebszustand

Heizstufe

Erhöht die Zulufttemperatur

Winterbetrieb

Kühlstufe

Senkt die Zulufttemperatur und führt fühlbare Wärme ab

Sommerbetrieb

Entfeuchtungsstufe

Entzieht der Luft Feuchtigkeit durch Kondensation

Hohe Luftfeuchtigkeit

Frostschutzstufe

Verhindert das Einfrieren von Registern und Wärmetauschern

Extreme Winterbedingungen

Heizleistung im Winterbetrieb und Spitzenlastfälle

Das Heizregister sorgt dafür, dass die einströmende Außenluft im Winter auf die erforderliche Zulufttemperatur erwärmt wird. Da ständig kalte Außenluft nachströmt, muss das Heizregister genug Leistung bereitstellen, um den Temperaturunterschied auszugleichen und Zugluft zu vermeiden. Die notwendige Heizleistung errechnet sich aus dem Luftvolumenstrom und dem nötigen Temperaturhub am Register. In vielen Anlagen wird die Zuluft durch Wärmerückgewinnung mit der Abluft vorgewärmt, sodass das Heizregister nur die verbleibende Differenz beheizen muss. Typische Auslegungswerte umfassen eine Auslegungs-Außentemperatur (z. B. −10 bis −16 °C), eine Soll-Zulufttemperatur (z. B. 18–22 °C), den Wirkungsgrad der Wärmerückgewinnung (ca. 60–85 %), den Temperaturhub am Heizregister (10–25 K) sowie einen Sicherheitszuschlag (etwa 10–15 %) für Spitzenlasten.

Auslegungsparameter

Beschreibung

Typischer Bereich

Außentemperatur (Auslegung)

Niedrigste zu berücksichtigende Außentemperatur im Winter

–10 bis –16 °C

Zulufttemperatur

Gewünschte Zulufttemperatur im Normalbetrieb

18–22 °C

WRG-Wirkungsgrad

Effizienz der Wärmerückgewinnung aus der Abluft

60–85 %

Temperaturhub am Heizregister

Erforderlicher Temperaturunterschied im Heizregister

10–25 K

Sicherheitszuschlag

Zusätzliche Heizleistung für Extremfälle

10–15 %

Durch diese Auslegung wird im Winterbetrieb eine stabile Zulufttemperatur sichergestellt, und kalte Zugluft in den Räumen wird vermieden.

Kühlleistung für Sommerbetrieb und interne Lasten

Das Kühlregister entzieht der Zuluft bei hohen Außentemperaturen und großen internen Lasten Wärme. Die Kühlleistung muss ausreichen, um sowohl externe Sommerwärme als auch die durch Personen, Beleuchtung und Geräte eingebrachte fühlbare Wärme abzuführen. Die Luft wird dabei typischerweise soweit abgekühlt, dass das Lüftungssystem einen Beitrag zur Raumkühlung leisten kann, während Komforttemperaturen (z. B. um 22–26 °C) eingehalten werden. Für die Auslegung rechnet man häufig mit einer Sommer-Außentemperatur von etwa 30–35 °C, einer Zulufttemperatur (gekühlt) von ca. 16–18 °C sowie üblichen inneren Lasten: etwa 70–120 W sensible Wärme je Person und etwa 10–30 W/m² durch Bürogeräte. Ein korrekt dimensioniertes Kühlregister gewährleistet den thermischen Komfort auch unter Spitzenbelastungen im Sommer.

Auslegungsparameter

Beschreibung

Typischer Bereich

Sommer-Außentemperatur

Höchste zu erwartende Außentemperatur

30–35 °C

Zulufttemperatur (gekühlt)

Temperatur der gekühlten Zuluft

16–18 °C

Ziel-Raumtemperatur

Gewünschter Komfort-Temperaturbereich im Innenraum

22–26 °C

Belegungslast (sensible Wärme je Person)

Wärmeabgabe pro Person (sensible Last)

70–120 W/Person

Geräte-Wärmelast

Wärmeabgabe durch Elektronik und Büroausstattung

10–30 W/m²

Latente Last (Feuchtekontrolle) – Entfeuchtungskapazität

Neben der Temperatur muss die RLT-Anlage auch die Luftfeuchtigkeit kontrollieren. Eine zu hohe Luftfeuchte führt zu Unbehagen, Kondensatbildung und Schimmelrisiken. Die latente Last entspricht der im Luftstrom enthaltenen Feuchtigkeit, die durch Entfeuchtung entfernt werden muss. Dieser Prozess findet statt, wenn Luft im Kühlregister unter ihren Taupunkt abgekühlt wird und Wasserdampf kondensiert. Typische Feuchtelasten entstehen durch Quellen wie Personen (etwa 40–70 g/h pro Person), Küchen (hohe Feuchtigkeitsabgabe beim Kochen), Sanitärräume (kurzfristige Spitzen, z. B. beim Duschen) oder Pflanzen/Materialien (niedrige kontinuierliche Abgabe). Üblicherweise wird ein Zielwert von etwa 40–60 % relativer Luftfeuchte im Raum vorgegeben, um Behaglichkeit und hygienische Bedingungen sicherzustellen.

Feuchtigkeitsquelle

Typische Feuchtemenge

Betriebscharakteristik

Personen

40–70 g/h pro Person

kontinuierliche Feuchteabgabe

Küche

hohe Feuchtelast

aktivitätsabhängig

Sanitärräume

kurze Feuchtespitzen

intermittierend (zeitlich begrenzt)

Pflanzen/Materialien

geringe Feuchteabgabe

kontinuierlicher Hintergrundlast

Frostschutzreserve – Sicherheitszuschlag und Schutzstrategie

Im Winter können sehr niedrige Temperaturen zum Einfrieren von Registern oder Wärmetauschern führen. Eisbildung blockiert den Luftstrom und kann Komponenten beschädigen. Zur Vermeidung solcher Schäden enthalten RLT-Anlagen spezielle Frostschutzstrategien und eine Reserveheizung. Beispiele sind Vorwärmregister, die die Außenluft vor dem Wärmetauscher anheben, Temperaturüberwachung durch Sensoren am Heizregister, Bypassklappen, die bei Frostgefahr die kalte Luft am Wärmetauscher vorbeileiten (während warme Abluft dort Eis schmilzt), Frostschutzmittel in wassergeführten Systemen und Zusatzheizungen für Extremfälle. Durch diese Maßnahmen wird üblicherweise sichergestellt, dass die Zulufttemperatur hinter dem Heizregister nicht unter etwa +5 °C fällt. Ein Frostalarm löst in der Regel eine Zwangsabschaltung mit entsprechender Störmeldung aus, bis die Ursache behoben ist. Auf diese Weise bleibt der Betrieb auch bei extremen Temperaturen sicher.

Frostschutzmaßnahme

Funktion

Typische Anwendung

Vorwärmregister

Erhöht die Außenlufttemperatur vor dem Wärmetauscher

sehr kalte Klimabedingungen

Temperaturüberwachung

Meldet kritische Tiefsttemperaturen im Heizregister

Automatisierte Steuerung

Bypassklappen

Leiten Luft am Wärmetauscher vorbei

Schutz der Wärmerückgewinnung

Frostschutzmittel

Senkt den Gefrierpunkt im wassergeführten System

Hydronische Heizsysteme

Reservheizleistung

zusätzliche Heizleistung für extreme Lastfälle

kalte Wetterperioden

Integrierte thermische Planungsstrategie für RLT-Systeme

Eine effektive thermische Integration erfordert die abgestimmte Planung von Heizung, Kühlung, Feuchte- und Frostschutz im Lüftungsgerät. Diese Elemente müssen zusammenarbeiten, um stabile Innenraumverhältnisse bei minimalem Energieeinsatz zu gewährleisten. Wichtige Planungsziele sind etwa eine ausgeglichene Heiz- und Kühlleistung (für gleichbleibende Temperaturen), eine wirkungsvolle Feuchte- und Luftqualitätsregelung, ein zuverlässiger Frostschutz (für sicheren Betrieb bei Kälte) sowie eine energieeffiziente Systemintegration (geringer Verbrauch). Durch die durchdachte Kombination dieser Maßnahmen stellt das RLT-System ganzjährig behagliches Raumklima, betriebssichere Funktion und effiziente Klimatisierung sicher.